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Gut zu wissen

SEXUELLE BELÄSTIGUNG AM ARBEITSPLATZ – WAS TUN?

Dieses Thema ist heikel – für alle Beteiligten. Daher ist es umso wichtiger aufzuzeigen, wo Grenzen verlaufen und wie adäquat reagiert und agiert werden kann. Wo beginnt die sexuelle Belästigung und wie sieht ein souveräner Umgang damit aus?

Genauer hinsehen lohnt sich bei diesem Thema, denn wer vorbereitet ist, nimmt seltener die Opferrolle an. Studien belegen, dass in den meisten Fällen die sexuelle Belästigung ein getarntes Machtspiel ist, das ablenken soll von den tatsächlichen Konflikten*. Einfluss haben – neben der Persönlichkeit des Täters – die Unternehmenskultur oder auch das aktuelle politische Klima. Was aber sagen unsere Gesetze in Deutschland und wie ist unsere Arbeitswirklichkeit, insbesondere in der Lebensmittelindustrie?

*  Vgl. Studie der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, "Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz" Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage unter Beschäftigten in Deutschland (März 2015)

Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz ist kein Kavaliersdelikt – schon das Grundgesetz bezieht eindeutig Stellung

Festgelegt ist in Artikel 3 GG, dass Männer und Frauen gleichberechtigt sind. Niemand darf diskriminiert werden. Artikel 2 GG ist in diesem Zusammenhang ebenfalls eminent wichtig, denn dieser regelt die freie Entfaltung der Persönlichkeit. Im Klartext ist gemeint, dass jeder tun und lassen kann, was er will, solange – und das ist wichtig – er „nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder das Sittengesetz verstößt“.

Was das „Sittengesetz“ bedeutet, unterliegt dem Wandel der Zeit, weshalb sich im AGG, dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz, die weitere Definition findet. In § 3 ist ausdrücklich geregelt, was unter einer sexuellen Belästigung zu verstehen ist, nämliche alle Verhaltensweisen, die unerwünscht sind, die eine Annäherung bedeuten, die Grenzen überschreiten, weil sie sexueller Natur sind und die sich an eine konkrete Person richten. Und aus dem Gesetz folgt ebenfalls, dass der Arbeitgeber sich in Fällen von sexueller Belästigung kümmern und der Angelegenheit zwingend nachgehen muss. Der Arbeitgeber ist verpflichtet, seine Beschäftigten vor sexueller Belästigung zu schützen. Ein Umstand, der den wenigsten bekannt sein dürfte.

Welche Handlungen gelten eindeutig als sexuelle Belästigung?

Die folgenden Handlungen am Arbeitsplatz gelten unstreitig als sexuelle Belästigungen, die nicht toleriert werden dürfen:

  • Unzweideutige verbale Aufforderungen zum Sex 
  • Zweideutige verbale Aufforderungen im Zusammenhang mit eindeutigen Blicken und Gesten 
  • Der starre Blick des Kollegen auf das Dekolleté 
  • Wiederholte Berührungen, verbunden mit eindeutigen Blicken und Gesten, auch wenn sie zufällig erscheinen

Folgende Grenzbereiche sind wohl die schwierigen Fälle, wo es immer auf den Gesamtzusammenhang ankommt:

  • Altherrenwitze und Anspielungen 
  • Pin-Up Fotos 
  • Nacktkalender 
  • Nacktbilder, die per Email verschickt werden

Hier ist die Sache nicht immer ganz so einfach. Ich versuche ein Beispiel: Hängt der ästhetische Bauernkalender mit den Fotos halbnackter Bäuerinnen im Büro des Kollegen, der sein Büro allein nutzt? Das ist wohl eher zulässig. Oder hat er ihn so aufgehängt, dass seine Mitarbeiterin ständig darauf schauen muss? Das ist wohl eher nicht angemessen.

Sicher, es ist nicht immer klar, was ästhetisch ist und was nicht. Deshalb ist es immer so wichtig auf den Gesamtzusammenhang zu schauen. Ist der Kollege eher „schlüpfrig“ veranlagt, oder ein handfester Bayer, der den Kalender für die Milchlieferanten aufgehängt hat, die ab und zu in seinem Büro sind? Ist er ein „korrekter Ehemann“, oder als „Grenzgänger“ verrufen? Es ist immer der Kontext zu beachten!

Die Studie der Antidiskriminierungsstelle des Bundes zeigt, dass insbesondere Männer sich von zweideutigen Fotos per Mail oder Whatsapp sexuell belästigt fühlen und in einem professionellen Miteinander, insbesondere im beruflichen Kontext, haben diese grundsätzlich nichts zu suchen.

Souverän und direkt reagieren

Nicht immer gelingt es, auf Belästigungen sofort und souverän zu reagieren. Sobald sich jedoch das Verhalten und die Angriffe wiederholen, muss reagiert werden. Und zwar durch eine klare Abgrenzung, beispielsweise:

  • Durch Mimik, Gestik und Körpersprache deutlich signalisieren, dass eine Handlung unerwünscht war 
  • Wenn man sitzt und plötzlich eine Hand im Nacken spürt: Aufstehen und zurückweichen, freundlich formulieren, dass das nicht gewünscht ist 
  • Wer kann, den Sachverhalt ins Scherzhafte ziehen: „Oh, da ist wohl eine Hand ausgerutscht“. Dabei mit dem Mund lächeln – ohne die Augen. Die Augen bleiben „kalt“ 
  • Bei Wiederholungen deutlicher werden

Ist der Chef der Verursacher: Das ist schwierig, denn die Angst um den Job schwingt mit. Aber es hilft nichts: Kommunizieren, Grenzen zeigen. Anders geht es nicht. Nicht selten verschafft man sich damit Respekt und Anerkennung.

Eine Erfahrung aus meiner eigenen Berufspraxis: Vor vielen Jahren war ich neu als Personalchef in der Milchindustrie in Bayern und hatte eine neue Mitarbeiterin für die Entgeltabrechnung eingestellt. Sie hatte ein Projekt toll erledigt. Ich stand vor ihr, bedankte mich ausdrücklich und fasste ihr dabei mit der rechten Hand an den linken Oberarm. Ich merkte, dass sie sich versteifte, ich nahm sofort meine Hand zurück und verbalisierte die Situation: „Oh, Verzeihung, Sie mögen das offensichtlich nicht, kommt nicht wieder vor!“ War das sexuelle Belästigung? Für mich nicht. Für sie vielleicht. Jedenfalls war klar, was die Mitarbeiterin wünscht und was nicht. Wir sind immer hervorragend klargekommen. Als ich dann das Unternehmen nach 5 Jahren verlassen habe, nahm sie mich zum Abschied herzlich in den Arm. Hätte ich seinerzeit nicht reagiert, wäre das sicher nicht der Fall gewesen.

Also: Sprechen Sie, oder zeigen Sie unvermittelte Reaktionen. Das ist sicher nicht einfach, aber der einzig richtige Weg. Und wenn Sie unsicher sind: Holen Sie vertraute Menschen aus dem Arbeitsumfeld ins Boot, die den Verursacher auch kennen und so einen zweiten Blick auf den Sachverhalt und auf den Menschen werfen können. Eine zweite Einschätzung ist sicher immer richtig.

Welche Folgen hat sexuelle Belästigung?

Wenn der diskriminierende Vorfall plausibel und belegbar ist, muss der Arbeitgeber einschreiten und sich vor den belästigten Mitarbeiter stellen. Er muss den Belästigenden zur Rede stellen, unter Umständen abmahnen und bei groben Verstößen sogar kündigen. Insofern: der Vorwurf der sexuellen Belästigung ist ein scharfes Schwert und es wird immer Grenzbereiche geben. Aber: Klarheit, Haltung und Kommunikation helfen, damit es nicht zu unnötigen Eskalationen kommt.

Allgemeines:

Die ILO (International Labour Organisation) hat in einer Studie 2011 festgestellt, dass in der Europäischen Union 40 bis 50 % der Frauen bereits einmal am Arbeitsplatz belästigt worden sind.

Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes berät, gibt Rechtsrat und unterstützt bei Unklarheiten.

Die Personalabteilung und der Betriebsrat des Unternehmens haben sicher ebenfalls vertrauenswürdige Kollegen an Bord, an die man sich wenden kann.

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Fahrtkostenerstattung - Wer bezahlt die Reisekosten zum Vorstellungsgespräch?

Sie sind zum Vorstellungsgespräch eingeladen? Glückwunsch! Jetzt gilt es, die Einladung genau zu lesen, denn viele Unternehmen teilen direkt in der Einladung mit, wie sie mit der Reisekostenerstattung umgehen. Geregelt ist die Übernahme der Reisekosten in § 670 BGB. Hieraus ergibt sich, dass der Arbeitgeber, der Sie zu einem Vorstellungsgespräch einlädt, auch die angemessenen Anreisekosten sowie unter Umständen die angemessenen Übernachtungskosten zu tragen hat. Der gesetzliche Anspruch tritt ein, sobald Sie zum persönlichen Gespräch vor Ort eingeladen wurden und die Kostenübernahme nicht ausdrücklich vor dem Termin ausgeschlossen wurde. Aber auch hier gilt: es gibt Einschränkungen.
Erstattungsfähige Reisekosten sind:

  • Fahrtkosten
  • Übernachtungs- und
  • Verpflegungskosten, falls Sie zu einem länger dauernden Assessment oder ähnlichem eingeladen werden.

Die Einschränkung dabei lautet immer, dass die Kosten sich in einem angemessenen Rahmen bewegen müssen. Das heißt beispielsweise ein Bahnticket 2. Klasse buchen, bei Anfahrt mit dem eigenen PKW 30 Cent/Kilometer ansetzten und sollten Kosten für zusätzliche Verpflegung anfallen, wäre es klug, beim Arbeitgeber sicherheitshalber im Vorfeld nach einer Pauschale oder den üblichen Abrechnungsmodalitäten fragen.

Wann muss nicht gezahlt werden?

Ein Arbeitgeber kann tatsächlich die Kostenübernahme ausschließen. Dies muss er jedoch vorher mit der Einladung zum Gespräch ausdrücklich formulieren.
Überraschungen können aber auch hier nicht ausgeschlossen werden: Informiert Sie das Unternehmen erst vor Ort, sozusagen beim Gespräch, ist dies rechtlich nicht mehr zulässig. Nur sind Sie jetzt am Zuge, zu entscheiden, wie gewichtig die vorgebrachten Gründe sind und ob das Unternehmen als Arbeitgeber für Sie nach wie vor von Interesse ist.

Was ist üblich in der Lebensmittelindustrie?

Gerade in den Unternehmen der Lebensmittelindustrie hat sich durchgesetzt, dass die Kosten der Bewerber übernommen werden. Es sei denn, der Bewerber kommt aus dem Nebenort und hat eine Anreise von wenigen Kilometern. Insbesondere in Zeiten des Fach- und Führungskräftemangels sind sich die Unternehmen der Lebensmittelbranche der Bedeutung eines zeitgemäßen Employer Branding sehr bewusst. Kein Unternehmen will später auf den einschlägigen Bewertungsplattformen lesen, dass es Bewerberkosten nicht übernimmt.

5 Tipps zur Fahrtkostenerstattung bei Vorstellungsgesprächen

  1. Immer mit gesundem Menschenverstand an die jeweilige Situation herangehen. Soweit der Arbeitgeber in der Einladung nichts von Einschluss/Ausschluss der Kosten gesagt hat, fragen Sie erst einmal nicht nach. Wählen Sie die günstigste und effizienteste Anreisemöglichkeit. Wenn Sie eine Bahncard haben, nutzen Sie sie. Jeder freut sich über kostenbewusste potenzielle Mitarbeiter. Und dann warten Sie die Rückmeldung auf Ihr persönliches Vorstellungsgespräch ab. Erst wenn Sie diese haben - hoffentlich die Zusage zum neuen Job - fragen Sie höflich nach, in welcher Form das Unternehmen die Mitteilung über die Reisekosten wünscht. Und dann stellen Sie Ihre Abrechnung. Das Unternehmen wird mit Wohlwollen zur Kenntnis nehmen, dass Sie die günstigste, angemessenste Variante gewählt haben. Genau hier können Sie sich die Frage „Was heißt angemessen oben im Text?“ nämlich selbst beantworten. Natürlich nicht der Flug von Frankfurt nach Köln. Natürlich nicht die Taxifahrt, wenn die S-Bahn vor der Tür hält und eben gerade nicht das 1. Klasse Ticket der Bahn.
  2. Haben Sie eine Anreise von unter 15 Kilometern? Dann verzichten Sie auf eine Fahrtkostenerstattung! Rechtlich stünde sie ihnen diese zwar zu, es wäre jedoch kleinlich und hinterließe keinen guten Eindruck.
  3. Wenn Sie einen Termin am Abend bekommen und eine Rückfahrt nicht mehr realisierbar ist, fragen Sie, ob der Arbeitgeber eine günstige Pension kennt und die Übernachtungskosten übernimmt. (Wenngleich dies rechtlich eindeutig geregelt ist, so hinterlässt eine vorausschauende und höfliche Anfrage einen guten Eindruck und Sie spüren zugleich, welches Klima und welche Haltung im Unternehmen herrscht.)
  4. Wenn Sie eine Einladung von einem Unternehmen bekommen, das die Fahrtkostenerstattung ausdrücklich ausschließt, überlegen Sie genau, ob Sie dort arbeiten und zum Gespräch fahren wollen.
  5. Wenn Sie von einem Personalberater eine Einladung bekommen und in der Einladung die Fahrtkostenerstattung ausgeschlossen ist, sollten Sie besser nicht hinfahren, denn der Prozess „riecht“ nicht sehr seriös. Die Unternehmen der Lebensmittelindustrie, die mit qualifizierten Beratungsunternehmen zusammenarbeiten, erstatten sowohl dem Berater, wie auch dem Bewerber sämtliche Kosten.

Viel Erfolg bei Ihrem nächsten Vorstellungsgespräch !

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