ANG Beschäftigtenbericht 02/2026

Berlin, 02.09.2026, ANG.
Beschäftigung und Ausbildung im Aufwind – Stellenmarkt in der Nahrungs- und Genussmittelindustrie kühlt leicht ab
Beschäftigte
Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in der Nahrungs- und Genussmittelindustrie ist nach der aktuellen Statistik der Bundesagentur für Arbeit (BA) zum Stichtag 31. Dezember 2025 im Vergleich zum Vorjahr leicht gestiegen (+0,3 Prozent). Neben den branchentypischen kaufmännischen und technischen Berufen sind mehr als ein Drittel der Belegschaften in der Branche in rein ernährungsspezifischen Berufen tätig. Auch hier zeigt der Trend nach oben: In diesen branchenspezifischen Berufen nahm die Beschäftigung im Vorjahresvergleich um 0,5 Prozent zu.

Auszubildende
Die äußerst positive Entwicklung der vorangegangenen Quartale setzt sich bei der Nachwuchsgewinnung in der Ernährungs- und Genussmittelindustrie weiter fort. So waren am 31. Dezember 2025 insgesamt 27.834 Auszubildende in der Branche beschäftigt. Dies entspricht einem kräftigen Zuwachs von 7,0 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Ein ähnlich starkes Plus ist mit 6,7 Prozent auch direkt in den ernährungstypischen Ausbildungsberufen zu beobachten.

Vakanzen
Der Fachkräftemangel stellt die Unternehmen der Nahrungs- und Genussmittelindustrie weiterhin vor große Herausforderungen, auch wenn die aktuellen Zahlen auf den ersten Blick eine leichte Entspannung suggerieren. So sank die Vakanzzeit im Juni 2026 im Vergleich zum Vorjahr um 8,7 Prozent auf nunmehr 211 Tage. In Arbeitstagen ausgedrückt müssen Unternehmen im Durchschnitt aber weiterhin fast ein ganzes Jahr einplanen, um eine offene Stelle erfolgreich zu besetzen.
Dass die Vakanzzeit gesunken ist, ist jedoch in erster Linie auf eine insgesamt gesunkene Arbeitskräftenachfrage zurückzuführen: Parallel reduzierte sich der Bestand an gemeldeten offenen Stellen um 7,4 Prozent. Diese Entwicklung deutet auf eine Einstellungszurückhaltung der Unternehmen hin. Durch das geringere Stellenangebot verringert sich der Wettbewerb der Arbeitgeber um verfügbare Kandidaten, wodurch die verbleibenden offenen Stellen rechnerisch etwas schneller besetzt werden können.

Ausblick
Die aktuellen Zahlen belegen die Resilienz der Ernährungs- und Genussmittelindustrie. Trotz anhaltend schwieriger wirtschaftlicher Rahmenbedingungen halten die Unternehmen die Beschäftigung stabil und verzeichnen sogar einen leichten Zuwachs. Ein besonders starkes Signal senden die Betriebe bei der Nachwuchssicherung: Der bemerkenswerte Anstieg der Auszubildendenzahlen unterstreicht, dass die Branche auch unter hohem Kosten- und Wettbewerbsdruck massiv in die eigene Zukunft und die Fachkräftesicherung investiert.
Gleichzeitig darf der Blick auf den Stellenmarkt nicht täuschen. Zwar ist die durchschnittliche Vakanzzeit auf nunmehr 211 Tage gesunken, doch ein knappes Dreivierteljahr für die Besetzung einer Vakanz belastet die betrieblichen Abläufe weiterhin enorm. Dass parallel die Zahl der gemeldeten offenen Stellen spürbar zurückgeht, darf keinesfalls als Entspannung des Fachkräftemangels gewertet werden. Es ist vielmehr ein Warnsignal für den wachsenden Kostendruck und eine daraus resultierende Einstellungszurückhaltung der Unternehmen.
„Unsere Betriebe beweisen sich einmal mehr als Stabilitätsanker und investieren aktuell mit großem Kraftaufwand in die Ausbildung junger Fachkräfte. Aber diese Bereitschaft zur sozialen Verantwortung stößt angesichts der wirtschaftlichen Realität an ihre Grenzen“, erklärt Kim Cheng, Hauptgeschäftsführerin der ANG. „Dass die Zahl der offenen Stellen sinkt, ist Ausdruck einer gefährlichen Entwicklung: Die explodierenden Standort- und Arbeitskosten, gepaart mit anhaltend hohen Energie- und Rohstoffpreisen sowie einer massiven fehlenden Planungssicherheit, etwa durch unvorhersehbare steuerliche Rahmenbedingungen, zwingen unsere Unternehmen zunehmend zur Zurückhaltung.
Die von der Bundesregierung angekündigten Reformen in der Arbeits- und Sozialpolitik dürfen daher keine leeren Versprechen bleiben. Wir erwarten, dass diesen Ankündigungen jetzt endlich Taten folgen, um den Faktor Arbeit wieder bezahlbar zu machen, Energie- und Beschaffungskosten spürbar zu dämpfen und die massiven bürokratischen Fesseln zu lösen. Wer diese Reformen weiter verschleppt, fährt die Wettbewerbsfähigkeit unserer Branche sehenden Auges gegen die Wand und gefährdet die langfristige Beschäftigungssicherung am Standort Deutschland.“
Die Ernährungs- und Genussmittelindustrie bleibt ein verlässlicher Arbeitgeber. Damit dies so bleibt, bedarf es dringend einer praxisnahen Arbeitsmarkt- und Standortpolitik, welche die Belange und Besonderheiten der mittelständisch geprägten Betriebe in den Mittelpunkt stellt und sie spürbar entlastet.
Die Ernährungs- und Genussmittelindustrie beschäftigt in rund 6.000 vorwiegend kleinen und mittelständischen Betrieben knapp 674.000 Menschen. Anders als in allen anderen deutschen Industrien werden in der Branche jedes Jahr hunderte von Tarifverträgen in den einzelnen Regionen und Teilbranchen abgeschlossen und neu verhandelt. Es gibt keinen anderen Wirtschaftsbereich in Deutschland, der eine solch differenzierte Tarifpolitik betreibt. Die ANG verbindet als Dachverband die neun sozialpolitischen Landesverbände sowie vier Fachverbände der Ernährungs- und Genussmittelindustrie.
Kontakt für Presseanfragen:
Arbeitgebervereinigung Nahrung und Genuss e.V. Hauptgeschäftsführerin Kim Cheng; Claire-Waldoff-Straße 7, 10117 Berlin Tel.: 030 200 786 113; E-Mail: cheng@ang-online.com
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